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Kurzarbeit – Wie kann mein Unternehmen den Coronavirus-Schaden minimieren?

- 7 Min Lesezeit

Momentan ändert sich die Situation hinsichtlich Kurzarbeit in der Schweiz fast täglich und die Bedingungen für einen Anspruch werden laufend gelockert. Lassen Sie uns die wichtigsten Punkte hervorheben, die Sie als Unternehmer beachten müssen.

Wichtig ist vor allem einmal, dass sich Ihr Unternehmen für Kurzarbeit anmeldet. Die Karenzfrist wurde bei Ausbruch der Corona-Krise zuerst auf einen Tag reduziert. Jetzt wurde diese komplett aufgehoben. Die ordentliche Karenzfrist betrug bisher zwei Wochen.

Wer hat Anspruch auf Entschädigung?

Neu haben auch Mitarbeitende Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, welche folgende Bedingungen erfüllen:

  • Angestellte in befristeten Arbeitsverhältnissen
  • Personen im Dienste einer Organisation für Temporärarbeit
  • Personen, die in einem Lehrverhältnis stehen
  • Arbeitgeberähnliche Angestellte (z.B. Gesellschafter einer GmbH, welche als Angestellte gegen Entlohnung im Betrieb arbeiten)
  • Personen, die im Betrieb des Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners mitarbeiten. Hier gilt eine Pauschale in der Höhe von CHF 3’320.

Nach den neuen Regelungen müssen Überstunden nicht mehr zuerst abgebaut werden, bevor die Kurzarbeit bewilligt wird.

Kurzarbeit kann auch dann Anwendung finden, wenn die Beschäftigung des Arbeitnehmers um mehr als 10% reduziert wird. Wenn die Kurzarbeit bereits angemeldet wurde, wird den betroffenen Arbeitnehmern 80% des wegfallenden Lohnes erstattet.

Homeoffice Mitarbeiter Baschäftigung

Dabei muss berücksichtigt werden, dass der maximal versicherte jährliche Lohn, der von der Arbeitslosenkasse gedeckt ist, CHF 148’200 (inkl. die allfällige 13. Lohne) beträgt. Monatlich entspricht dies einem Betrag von CHF 12’350. Die Differenz von 20%, die von der Arbeitslosenkasse nicht gedeckt ist, trägt der Arbeitsnehmer selbst. Es ist jedoch möglich, dass der Arbeitgeber diese Differenz übernimmt und dem Arbeitnehmer den vollen Lohnbetrag (100% des Lohnes) auszahlt.

Reguläre Kurzarbeitsentsentschädigung

Aktuell wurden vom Bundesrat über 40 Milliarden CHF zur Verfügung gestellt, um diese schwierige Zeit überbrücken. Ferner werden auch dringende Vereinfachungen im Bereich der Abwicklung der Gesuche und der Zahlungen der Kurzarbeit vorgenommen.

Auch wenn Kurzarbeit angemeldet und ein Teil des Lohnes durch die Arbeitslosenkasse entschädigt wird, werden Sozialbeiträge auf den Lohn berechnet und abgezogen. Als Basis dafür dient 100% des Lohnes, obwohl von der Arbeitslosenkasse nur 80% der wegfallenden Stunden entschädigt wird.

Beispiele: Kalkulation der Kurzarbeitsentschädigung (KAE)

Der Mitarbeiter hat ein versichertes Monatsgehalt von CHF 4’330 (einschliesslich eines beliebigen 13. Monatsgehalts) bei einer 100%-igen Arbeitsbelastung. Es wurde eine Kurzarbeit von 40% gemeldet.

Ausgangslage Lohnberechnung Lohn
Kurzarbeit 40% Lohn vom Arbeitgeber 1’732 CHF
KAE 80% von wegfallenden 60% 2’078 CHF
Total 3’810 CHF*

*zuzüglich Kinder- /Ausbildungszulage, wie ohne Kurzarbeit.

Im Vergleich zur Arbeitslosigkeit:
80% des versicherten Lohnes = 80% von CHF 4’330 = CHF 3’464

Manager hat ein versichertes Monatsgehalt von 15’000 CHF (inkl. möglichem 13. Monatsgehalt) bei 100%iger Auslastung. Es wurde eine Kurzarbeit von 40% gemeldet.

Ausgangslage Lohnberechnung Lohn
Kurzarbeit 40% Lohn vom Arbeitgeber 6’000 CHF
KAE 80% von wegfallenden 60%
(max. versicherter monatlicher Lohn beträgt 12’350 CHF)
5’928 CHF
Total 11’928 CHF*

*zuzüglich Kinder- /Ausbildungszulage, wie ohne Kurzarbeit.

Manager hat ein versichertes Monatsgehalt von CHF 15’000 (inkl. möglichem 13. Monatsgehalt) bei 100%iger Auslastung. Es wurde eine Kurzarbeit von 40% gemeldet.

Wer hat keinen Anspruch auf Entschädigung?

  • Personen in gekündigten Arbeitsverhältnissen
  • Personen, deren Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollierbar ist
  • Personen, die nicht einverstanden sind
  • Personen, die Ihre Arbeitsleistungen aus persönlichen Gründen nicht erbringen möchten
  • Personen, für die eine andere Versicherung leistungspflichtig ist.

Wie bereits erwähnt wurde, wird den Arbeitnehmenden 80% des weggefallenen Lohnes durch die Arbeitslosenkasse ersetzt. Der Arbeitnehmer trägt in dem Fall eine kleine Einbusse in der Höhe der restlichen 20% des wegfallenden Lohnes. Aus dem Grund kann es vorkommen, dass der Arbeitnehmende mit der Kurzarbeit nicht einverstanden ist. In dem Fall hat der Arbeitsgeber weiterhin den Lohn zu 100% zu bezahlen, auch wenn dem Unternehmen Kurzarbeit genehmigt wird.

Vor der Coronavirus-Krise musste der Arbeitgeber das schriftliche Einverständnis der Arbeitnehmern einholen, damit Kurzarbeit akzeptiert wird. Um das Anmeldungsverfahren zur Kurzarbeit zu vereinfachen und zu beschleunigen, genügt neu eine Bestätigung durch die Geschäftsleitung, dass alle betroffenne Arbeitsnehmer mit dieser Massnahme einverstanden sind.

Selbständige weiterhin ohne Anspruch?

Bislang war die Option Kurzarbeit für Selbständige ausgeschlossen. Der Grund dafür lag darin, dass die Kurzarbeit zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zur kurzfristigen Vermeidung von Arbeitslosigkeit dient und nicht zur Umgehung von Umsatz- und Gewinneinbussen missbraucht werden soll. Da sich die Situation nun drastisch verschärft hat, wurde diese Regelung angepasst. Neu haben gelten folgende Kriterien für einen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung:

  • Selbständige, die als Selbständigerwerbende gemeldet sind
  • Personen mit Betreuungspflichten gegenüber Kindern (bis 12 Jahre) bei Ausfall der Fremdbetreuung
  • Personen unter behördlicher Quarantäne (sowie Arbeitsnehmer als auch Selbständige)

Für die oben aufgeführten Kategorien gilt die neue Regelung nur in den Fall, wenn die Person bei der AHV angemeldet und versichert ist. Personen, die in eine der obenerwähnten Kategorien fallen (sowohl Selbständige als auch Arbeitnehmende), müssen sich selbst um eine Kurzarbeitsentschädigung kümmern.

In einem solchen Fall wird die Entschädigung zu folgenden Bedingungen möglich sein:

  • 80% des versicherten Lohnes (max. versicherter Jahreslohn 88’200 CHF). Die Entschädigung wird als Taggeld ausgerichtet und beträgt höchstens CHF 196 pro Tag.
  • Subsidiär zu anderen Versicherungen (andere Leistungen gehen vor)
  • An Selbständige kann maximal eine Entschädigung für 30 Tage ausbezahlt werden, sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind.
  • Bei Personen unter behördlicher Quarantäne kann maximal 10 Tage Entschädigung ausbezahlt werden.
Kurzarbeitsentschädigung für Selbstständige

Wir bleiben für Sie am Puls der Zeit und halten Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden. Änderungen und Präzisierungen sind momentan fast täglich zu erwarten.

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