Mehrwertsteuer - Grenzüberschreitende Lieferungen vom und ins Ausland

Mehrwertsteuer: Grenzüberschreitende Lieferungen vom und ins Ausland

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Im Geschäftsleben stellt sich nicht selten die Frage nach der korrekten Berechnung und Ausweisung der Mehrwertsteuer. Handelt es sich dann auch noch um Geschäftsvorfälle mit dem Ausland, häufen sich die Fragen.

Die Regelung des Warenverkehrs zwischen der Schweiz und der EU basiert auf dem „Bestimmungslandprinzip“. In diesem Fall werden die gewerblichen Waren nur und ausschliesslich im Bestimmungsland besteuert. Die Grenzen überschreiten die Waren zunächst unversteuert.

Lieferungen ins Ausland

Prozessablauf im Inland

Sobald die Waren die Grenze überschreiten, fallen nicht nur Zollabgaben, sondern auch die Mehrwertsteuer des Landes an, in das die Waren eingeführt werden (die sogenannte ausländische Einfuhrumsatzsteuer). In der Regel werden die anfallenden Kosten von der importierenden Firma getragen.

Bei Lieferungen von der Schweiz ins Ausland sind die exportierenden Unternehmen von der Mehrwertsteuer befreit. Von dieser Steuerbefreiung profitieren sämtliche an der Lieferung beteiligten Lieferanten (nach Art. 23 Abs. 3 Mehrwertsteuergesetz). Eine solche grenzüberschreitende Lieferung muss jedoch vom Zoll nachgewiesen werden. Sind mehrere Lieferanten gleichzeitig an der Ausfuhr der Waren beteiligt, reicht es, wenn jeder über eine Kopie der Veranlagungsverfügung der EZV verfügt. Da normalerweise die vergangenen fünf Steuerperioden im Zuge einer Mehrwertsteuerprüfung überprüft werden, beträgt die Aufbewahrungsfrist für solche Dokumente insgesamt sechs Jahre (das aktuelle Jahr sowie die fünf Vorjahre).

Prozessablauf im Inland

Als Nachweis dafür können folgende Dokumente berücksichtigt werden:

  • elektronische Ausfuhrveranlagungsverfügung mit digitaler Signatur;
  • zollamtlich gestempelte Kopie der Zollanmeldung für Rohtabak und Tabakfabrikate (Form. 11.44);
  • zollamtliches Dokument, nach dem ein Zollverfahren der vorübergehenden Verwendung im Inland ordnungsgemäss abgeschlossen wurde oder mit dem ein Gegenstand nach der vorübergehenden Verwendung im Ausland veranlagt und das Verfahren innert der festgesetzten Frist nicht ordnungsgemäss abgeschlossen wurde;
  • zollamtlich bestätigtes „Ausfuhrdokument im Reiseverkehr”.

Ist es nicht möglich, die Lieferung ins Ausland mit einem der oben genannten Dokumente oder mit anderen Unterlagen zu belegen, unterliegt diese Lieferung im Inland der Umsatzsteuer.

Wenn ein ausländisches Unternehmen von einem Steuerpflichtigen in der Schweiz Waren abnimmt, die vor dem Export ins Ausland von einem oder mehreren anderen Steuerpflichtigen verarbeitet (z. B. montiert oder verpackt) werden müssen, werden diese als im Ausland erbrachte Leistungen betrachtet. Entsprechend fällt in der Schweiz keine Umsatzsteuer an (nach MwSt. -Info 06 Erfüllungsort, Abschnitt 7.2). In diesem Fall muss Formular Nr. 1304 verwendet werden. In diesem Formular muss jeder Lieferant seine Leistungen ausweisen. Damit wird auch die Ausfuhr der verarbeiteten Waren präzisiert.

Prozessablauf im Ausland

In den meisten EU-Ländern gibt es im Gegensatz zur Schweiz bei ausländischen Unternehmen kein Umsatzlimit bezüglich der Mehrwertsteuer-Verpflichtung. Entsprechend muss sich das Unternehmen als Exporteur in dem jeweiligen Land mehrwertsteuerlich registrieren lassen. Die Einfuhr der Waren im Namen des Lieferanten löst eine Registrierungs- und Mehrwertsteuerabrechnungspflicht im Ausland aus.

Als alternative Lösung empfiehlt sich eine sogenannte EU-Verzollung. Diese Alternative ist besonders hilfreich, um die Zahlung der Umsatzsteuer zu regeln, wenn Auslandslieferungen in mehrere EU-Länder erfolgen. In diesem Fall ist zwangsläufig eine umsatzsteuerliche Registrierung im jeweiligen EU-Land erforderlich. Die Einfuhrverzollung wird in dem EU-Land berechnet, in dem das Unternehmen mit seiner Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt-IdNr.) registriert ist. Die Lieferung erfolgt für den Lieferanten einfuhrsteuerfrei. Nach der Einfuhr in die EU werden die Waren direkt in das EU-Land geliefert, wo sich der Empfänger der Waren befindet. Dabei handelt es sich um eine sogenannte steuerfreie innergemeinschaftliche Zustellung. Die Besteuerung erfolgt anschliessend durch den Warenempfänger.

In einigen Ländern reicht es jedoch, sich an einen lokalen Fiskalvertreter zu wenden. Die USt-IdNr. des Schweizer Lieferanten (bzw. Name, Adresse und USt-IdNr. des Fiskalvertreters) sowie die seines Kunden müssen in der Rechnung angegeben werden. Darüber hinaus muss in der Rechnung deutlich ausgewiesen sein, dass es sich um eine innergemeinschaftliche Lieferung handelt.

Rechnung inland

Mehrwertsteuer: Grenzüberschreitende Lieferungen vom und ins AuslandTipp

Grundsätzlich liegt der Umsatzsteuersatz in den meisten EU-Ländern bei rund 20 Prozent.

Einfuhr von Waren in die Schweiz

Werden Waren in die Schweiz geliefert und verbleiben endgültig im Land, wird zusätzlich zu den Zollabgaben eine Einfuhrsteuer fällig. Diese ist in der Regel vom inländischen Käufer (Importeur) zu zahlen. Die Höhe der Einfuhrsteuer entspricht der Umsatzsteuer und beträgt derzeit 7,7% des Warenwertes. Ausländische Lieferanten, die Waren in die Schweiz liefern, müssen sich in der Schweiz normalerweise nicht für die MwST registrieren lassen. Übersteigt der Wert aller Waren oder Dienstleistungen, die der Lieferant in die Schweiz einführt, innerhalb eines Jahres einen Betrag von CHF 10’000, dann unterliegt dieser Lieferant der Mehrwertsteuerbestimmungen in der Schweiz. Für Unternehmen, die lediglich ihre Geschäfte in Inland führen, liegt diese Grenze mit CHF 100’000 pro Jahr deutlich höher.

MwSt.-Registrierungspflicht 1

Waren von unbedeutendem Wert oder mit einem geringfügigen Steuerbetrag sind in der Schweiz von der Einfuhrsteuer befreit (nach Art. 53 Abs. 1 MWSTG). Zu den Kategorien, die von der Einfuhrsteuer grundsätzlich befreit sind, gehören:

  • Persönlichen Gebrauchsgegenstände
    Persönlichen Gebrauchsgegenstände;
  • Reiseproviant
    Reiseproviant und Waren des Reiseverkehrs (bis zu einem Gesamtwert von CHF 300.– pro Person);
  • Geschenke
    Geschenke bis zu einem Wert von CHF 100.– (mit Ausnahme von Tabak und Alkohol);
  • Steuerbetrag nicht höher als CHF 5
    Waren mit einem Steuerbetrag nicht höher als CHF 5.–

Ab dem 1. Januar 2019 gilt für Versandhändler, die mit Lieferungen, die einen Steuerbetrag von CHF 5.– nicht überschreiten jedoch einen Umsatz von mindestens CHF 100.000 pro Jahr erzielen, dass sie sich in der Schweiz für die Mehrwertsteuer registrieren lassen müssen.

Werden die Waren nicht auf den Namen des Importeurs, sondern auf den Namen des Lieferanten in die Schweiz eingeführt, kann sich das Unternehmen alternativ selbst in das Schweizer Mehrwertsteuerregister eintragen lassen. Voraussetzung hierfür ist jedoch ein eigenes Lager in der Schweiz oder eine sogenannte “Unterordnungserklärung im Ausland”.

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