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Kurzarbeit in der Schweiz – oder wie erhält man eine Entschädigung

- 7 Min Lesezeit

Wenn ein Unternehmen seine Arbeit in der Schweiz wirtschaftlich begründet vorübergehend reduzieren oder ganz einstellen soll, aber gleichzeitig die Arbeitsverhältnisse im Sinne der Arbeitsgesetzgebung dabei bestehen bleiben, handelt es sich um Kurzarbeit.

Kurzarbeit umfasst des Weiteren Arbeitsausfälle, die auf behördliche Massnahmen oder andere Umstände zurückzuführen sind und ausserhalb der Kontrolle des Arbeitgebers liegen. Damit sollen Entlassungen verhindert werden, die aufgrund eines kurzfristigen und unvermeidbaren Arbeitsausfalls auftreten könnten. Risiken wie verschärfter Wettbewerb, ein Nachfrageeinbruch oder andere bekannte Geschäftsrisiken gelten nicht als Begründung für eine Kurzarbeitsentschädigung.

In Notfällen, wie beispielsweise beim Coronavirus, können jedoch bestimmte Anforderungen oder Einschränkungen eine Zeitlang gelockert oder entfernt werden, um die betroffenen Unternehmen zu unterstützen.

Sämtliche eingeführten Veränderungen hatten grösstenteils einen eher vorläufigen Charakter. Doch die grundsätzliche Prinzipien der Kurzarbeit wurden nicht geändert. Werfen wir also einen Blick auf die wichtigsten Prinzipien der Kurzarbeit.

Zunächst einmal ist es entscheidend, dass sich das Unternehmen für Kurzarbeit in der Schweiz anmeldet (Weitere Informationen zur Anmeldung findet sich bei SECO). Bei Ausbruch der Corona-Krise wurde die Karenzfrist zuerst auf einen Tag reduziert, später wurde sie komplett aufgehoben. Die ordentliche Karenzfrist beträgt zwei Wochen.

Während zwei Jahren darf die Summe aller Perioden, für die eine Kurzarbeitsentschädigung gezahlt werden kann, nicht länger als 12 Monate betragen. Im Rahmen von COVID-19 wurde diese Periode verlängert und beträgt seit dem 01. September 2020 insgesamt 18 Monate. Eine Bewilligung für die Kurzarbeit kann einmalig nur für 3 Monate zugesprochen werden. Wenn also mit weiteren Schwierigkeiten hinsichtlich der Auslastung der Mitarbeiter gerechnet werden kann, die länger als 3 Monate dauern, sollte kurz vor Ablauf der vorherigen Bewilligung eine weitere für die kommenden 3 Monate beantragt werden.

Covid Massnahmen Kurzarbeitsentschädigung

Wer hat Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

Zu den Firmen, die einen Anspruch auf eine Kurzarbeitsentschädigung haben könnten, gehören diejenige, bei denen die Beschäftigung des Arbeitnehmers um mehr als 10% reduziert und eines der folgenden Kriterien erfüllt wird:

  • Die Arbeitnehmenden sind beitragspflichtig bei Arbeitslosenversicherung (ALV)
  • Die Arbeitnehmenden haben die obligatorische Schulzeit abgelegt, sind aber nicht AHV pflichtig, da das Mindestalter dafür noch nicht erreicht wurde.

Kurzarbeit in der Schweiz - oder wie erhält man eine EntschädigungTipp

Einverständnis der Mitarbeitenden

Der Arbeitgeber sollte bei den Mitarbeitenden die schriftliche Zustimmung für die Kurzarbeit einholen. Die Mitarbeiter dürfen die Kurzarbeit ablehnen. Dann muss der Arbeitgeber weiterhin den vollen Lohn auszahlen.

  • Keiner Anspruch auf die Kurzarbeitsentschädigung

    Folgende Personen oder folgende Kategorien der Arbeitenden haben in der Regel keinen Anspruch auf die Kurzarbeitsentschädigung:

  • Rentner
  • Temporäre Mitarbeiter
  • Personen in einem Lehrverhältnis
  • Gesellschafter der Firma und deren Ehepartner/in
  • Arbeitnehmender mit befristeten Arbeitsverträgen
  • Arbeitnehmender in gekündigten Arbeitsverhältnissen
  • Anspruchsgruppen wegen der COVID-19-Krise

    Ausnahmsweise wurden folgende Anspruchsgruppen wegen der COVID-19-Krise für einen begrenzten Zeitraum erweitert:

  • Personen, die in einem Lehrverhältnis stehen
  • Angestellte in befristeten Arbeitsverhältnissen
  • Personen im Dienste einer Organisation für Temporärarbeit
  • Arbeitgeberähnliche Angestellte (z.B. Gesellschafter einer GmbH, die als Angestellte gegen Entlohnung im Betrieb arbeiten)
  • Personen, die im Betrieb des Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners mitarbeiten. Hier gilt eine Pauschale in der Höhe von 3’320 CHF.
  • Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung

    Zu den Arbeitsausfällen, die in der Schweiz nicht als Kurzarbeit gemeldet werden können, gehören diejenige:

  • die nicht vorübergehend sind
  • die Arbeitsplätze nicht erhalten
  • die durch branchenspezifische oder saisonale Schwankungen in der Auslastung verursacht wurden
  • die durch betriebsorganisatorische Massnahmen verursacht wurden, wie z. B. Reparatur- oder Unterhaltsarbeiten
  • die durch Betriebsferien und für 5 Arbeitstage unmittelbar davor und danach verursacht wurden (vorausgesetzt, dass der Anspruch in einer Abrechnungsperiode nur für sie geltend gemacht wird)
  • die durch Ferientage entstehen bzw. auch an den 2 Arbeitstagen vor und nach Feiertagen, wenn diese nicht auf einen Samstag oder Sonntag fallen (vorausgesetzt, dass der Anspruch in einer Abrechnungsperiode nur für sie geltend gemacht wird)

Vergleichstabelle: Was hat sich in COVID-19-Zeiten geändert

Vor COVID-19

COVID-19-Zeiten

Nach dem Höhe­punkt

Voranmeldefrist icon

Voranmeldefrist für Kurzarbeit

Voranmeldefrist betrug 10 Tagen

Voranmeldefrist wurde aufgehoben

Voranmeldefrist von 10 Tagen wurde wieder eingeführt (ab 1. Juni 2020)

Bewilligungsdauer icon

Bewilligungs­dauer von Kurzarbeit

Bewilligungsdauer betrug 3 Monate

Bewilligungsdauer wurde von 3 auf 6 Monate verlängert

Bewilligungsdauer wurde wieder auf 3 Monate reduziert (ab 1. September 2020)

Ueberstunden icon

Über­stunden

Überstunden müssen zunächst abgebaut werden, bevor die Kurzarbeit bewilligt wird

Überstunden müssen nicht mehr zuerst abgebaut werden

Überzeiten müssen bis Ende Dezember 2020 nicht mehr vor dem Bezug der KAE abgebaut werden

Karenzzeit icon

Karenz­zeit

Karenzzeit betrug üblicherweise zwei bzw. drei Tage

Karenzzeit wurde aufgehoben

Karenzzeit wurde auf einen Tag reduziert

Bezugsdauer icon

Maximale Bezugs­dauer für einen Arbeits­ausfall von mehr als 85%

Die maximale Bezugsdauer betrug 4 Abrechnungsperioden

Die maximale Bezugsdauer wurde aufgehoben

Ab 1. September 2020 gilt wieder die maximale Bezugsdauer von 4 Abrechnungsperioden

Anspruchsberechtigung icon

Anspruchs­berechtigung

Der Anspruch auf KAE besteht für folgenden Personen:

  • ALV- beitragspflichtige Arbeitnehmer
  • Arbeitnehmermit abgelegter obligatorische Schulzeit, die aber nicht AHV pflichtig sind, da das Mindestalter dafür noch nicht erreicht wurde

Der Anspruch auf KAE wurde ausgeweitet auf folgenden Personen:

  • in befristeten Arbeitsverhältnissen
  • in Lehrverhältnisse
  • im Dienste einer Organisation für Temporärarbeit
  • in einer arbeitgeberähnlichen Stellung
  • die im Betrieb des Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners mitarbeiten (mit einer Pauschale von netto CHF 3'320)

Die Ausweitung der Anspruchsberechtigung wurde letztendlich am 1. September 2020 abgeschafft

Ist die Kurzarbeit bereits angemeldet, wird den betroffenen Arbeitnehmern in der Schweiz 80% des wegfallenden Lohnes erstattet. Der Arbeitgeber sollte davon ausgehen, dass die Kurzarbeitsentschädigung erst im darauffolgenden Monat erfolgt. Arbeitnehmer, die für Unternehmen mit beantragter Kurzarbeit arbeiten, sollten die 80% des Verdienstausfalls frühzeitig als Lohn erhalten. Im Fall der angemeldeten Kurzarbeit müssen die Sozialversicherungsbeiträge auf den 100%-Lohn entrichtet werden. Die Arbeitgeberbeiträge an die AHV/IV/EO/ALV für die Ausfallzeiten werden via Kurzarbeitsentschädigung rückvergütet. Der obenerwähnte Arbeitgeberanteil an die AHV/IV/EO/ALV beträgt 6.375%.

Wichtige Links zum Thema:

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Haben die im Stundenlohn angestellten Arbeitende auch Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung?

Wenn die Kurzarbeit von dem Unternehmen beantragt wurde, können auch die Arbeitende im Stundenlohn Anspruch auf eine Kurzarbeitsentschädigung haben. Die Voraussetzungen dafür sind gleich wie für die Arbeitenden im Monatslohn.

Sind auf Abruf angestellte Arbeitende für Kurzarbeitsentschädigung berechtigt?

Auch die Arbeitenden auf Abruf können Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben. Diese Ausnahme gilt aber lediglich für Arbeitende, deren Auslastung um weniger als 20% schwankt.

Auf welchen Betrag wird die Quellensteuer angerechnet?

Die Quellensteuer wird ausschliesslich gemäss dem reduzierten Lohn abgerechnet.

Wie läuft die Krankmeldung bei der Kurzarbeit ab? Ändern sich dabei etwas?

Bei der Kurzarbeit sind die Anforderungen zur Krankenmeldung gleich wie bei der normalen Arbeitsbedingungen.

Muss der Urlaub wegen der Kurzarbeit entsprechend reduziert werden?

Der Urlaub darf nicht wegen Kurzarbeit reduziert werden. Die Höhe des Lohnes während der Kurzarbeit wurde jedoch juristisch noch nicht reguliert. Sollten Arbeitnehmer während der Kurzarbeit Urlaub nehmen, erhalten sie 100% des Lohnes.

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