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Betreibung: Ablauf, Kosten und praktische Tipps

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Häufig bleiben auch nach mehreren Erinnerungen und Mahnungen einige Rechnungen offen. Das dürfte auch Ihnen bekannt sein, oder? Unabhängig von seiner Grösse oder Branche trifft jedes Unternehmen irgendwann auf einen derartigen Kunden. Einfach nur abwarten ist nicht die optimale Lösung – denn letzten Endes verjähren die Forderungen sogar noch. Wenn also die milderen Massnahmen nicht helfen, kommt man um ein Betreibungsverfahren nicht herum. Betreibungsverfahren sind zwar zeitaufwändig, aber nicht so kompliziert, wie befürchtet. Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen über das Betreibungsverfahren in der Schweiz zusammengestellt: Ablauf, Kosten, Vorbereitung und praktische Tipps.

  • Lohnt sich ein Betreibungsverfahren

    Lohnt sich ein Betreibungsverfahren?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Betreibungsverfahren bedeutet nicht zwingend, dass die Rechnung auch beglichen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie am Ende nur weitere Kosten produzieren, ist nicht gering. Deswegen lohnt es sich, zuerst gründlich zu überlegen, ob das Betreibungsverfahren Sinn macht:

  • Machen Sie sich darauf gefasst, dass der Betreibungsvorgang mühsam und lang ist. Selbst wenn Sie Erfolg haben und den vollen Betrag zurückbekommen, können mehrere Monate vergehen.
  • Sie müssen selbst jeden einzelnen Schritt veranlassen und beobachten – die Behörden werden nicht von selbst aktiv! Sollte der Betrag nicht allzu hoch sein, können Sie letzten Endes mehr verlieren als gewinnen – auch wenn die Schulden beglichen wurden. Denn Ihre Zeit ist wertvoll und kostet Geld!
  • Spätestens wenn der Schuldner den Rechtsvorschlang erhebt, sollten Sie abwägen, ob Sie ausreichende Beweise für seine Schuld angeben können – ein mündlicher Vertrag ist nur schwer nachzuweisen. Und wer auf Stundenbasis arbeitet, hat häufig Probleme nachzuweisen, warum genau diese Anzahl an Stunden notwendig war.
  • Versuchen Sie herauszufinden, ob beim Schuldner überhaupt noch etwas zu holen ist – wenn er bereits total überschuldet ist, sind Ihre Chancen eher gering und der Aufwand lohnt sich unter diesen Umständen nicht.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass man auf das Betreibungsverfahren immer verzichten sollte. Die Option, ein Betreibungsverfahren einzuleiten, hat Vorteile für den Gläubiger:

  • Ein Betreibungsverfahren bereitet dem Schuldner Probleme. Die Eintragung in das Betreibungsregister ist nicht erwünscht. In diesem Fall kann selbst die Androhung des Betreibungsverfahrens ausreichen, um die Zahlung zu erreichen.
  • Das Betreibungsverfahren unterbricht die Verjährungsfrist einer Forderung und verhindert, dass die Schuld nicht mit der Zeit erlischt.
  • Oft ist ein Betreibungsverfahren die letzte Möglichkeit, die Schulden einzutreiben. Bei grossen Beträgen kann schon die Begleichung einer Teilschuld wichtig für den Gläubiger sein.
  • Indirekt kann die Androhung des Betreibungsverfahren auch für den Schuldner vorteilhaft sein: Damit wird er gezwungen, Sanierungsmassnahmen einzuleiten und die finanzielle Lage des Unternehmens zu analysieren.
  • Voraussetzungen für eine Betreibung

    Voraussetzungen für eine Betreibung

In der Schweiz wird das Betreibungsverfahren im Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) definiert und beschrieben. Der Gläubiger und der Schuldner können sowohl juristische Personen als auch Privatpersonen sein – es gibt diesbezüglich keine Einschränkungen. Jeder kann bei jedem die Schulden beitreiben. Die einzige Voraussetzung für eine Betreibung ist eine bestehende Schuld.

Mahnungen vor dem Betreibungsstart sind nicht verpflichtend – auch wenn häufig das Gegenteil behauptet wird. Es gibt zwar einzelne Ausnahmen (z.B. Krankenversicherung), aber in der Regel dürfen Sie ohne Vorwarnung ein Betreibungsverfahren gegenüber dem Schuldner eröffnen. Weil der Schuldner die Rechnung übersehen haben kann, empfiehlt sich jedoch die Zusendung einer Mahnung. Sollte die Rechnung über kein definitives Fälligkeitsdatum verfügen, löst eine Mahnung jedoch die Verzugszinsen aus. Lesen Sie mehr über das Thema Mahnungen in unserem Artikel «Wie schreibe ich eine Zahlungserinnerung / Mahnung?».

Grundsätzlich können Sie das Betreibungsverfahren in der Schweiz selbst einleiten – ein Anwalt wird nur im Ausnahmenfällen benötigt, z.B. wenn es sich um grosse Beträge und lange Gerichtstreitigkeiten handelt. Sonst reicht eine Auskunft beim Betreibungsamt aus, um die weiteren Schritte einzuleiten.

  • Betreibungsverfahren Ablauf Scheme

    Arten des Betreibungsverfahrens

Es gibt zwei wichtige Arten des Betreibungsverfahren. Grundsätzlich ist der Ablauf in allen Fällen gleich. Es gibt jedoch einige Besonderheiten, bei denen unterschiedliche Behörden eingebunden sind.

Betreibung auf Pfändung

Betreibung auf Pfändung

Betreibung auf Konkurs

Betreibung auf Konkurs

Das ist die häufigste Art der Betreibung und kommt vor allem gegen nicht im Handelsregister eingetragenen natürliche Personen zum Tragen. Dabei wird in erster Linie das Einkommen des Schuldners um die benötigte Summe gepfändet. Reicht das Einkommen nicht aus, werden die Vermögenswerte des Schuldners eingezogen, um alle Schulden zu begleichen.

Diese Art der Betreibung wird gegen im Handelsregister eingetragene Firmen und Firmenteilhaber angewendet (siehe Art. 39 SchKG), bei Letzteren auch für ihre privaten Schulden. Leistet der Schuldner keine Zahlung, kann der Gläubiger die Konkurseröffnung verlangen und die Schuld aus dem liquidierten Vermögen begleichen.

Die weiteren Betreibungsarten wie Betreibung auf Pfandverwertung (zur Sicherheit wird ein hinterlegtes Pfand, z. B. Grundeigentum verwertet) und Wechselbetreibung (Wechsel oder Check begleichen die Forderungsgrundlage) kommen seltener vor.

  • Betreibungsverfahren Ablauf

    Betreibungsverfahren: Ablauf

  1. Betreibungsbegehren Zuerst müssen Sie das Betreibungsbegehren ausfüllen und zusammen mit einem Kostenvorschuss beim zuständigen Betreibungsamt einreichen. Das zuständige Betreibungsamt befindet sich am Wohnort des Schuldners.
  2. Zahlungsbefehl Das Betreibungsamt erstellt den Zahlungsbefehl und sendet diesen an den Schuldner. Dabei ist der Zahlungsbefehl lediglich eine Aufforderung – der Schuldner kann diese einfach ignorieren. Der Zahlungsbefehl ist grundsätzlich eine Mahnung, die mit amtlicher Hilfe zugestellt wird. Anschliessend kann der Schuldner die offene Rechnung innerhalb von 20 Tage begleichen und damit den Betreibungsprozess abschliessen. Oder er erhebt einen Rechtsvorschlag und stoppt damit den Betreibungsvorgang. Dafür hat der Schuldner bis 10 Tage nach der Zustellung des Zahlungsbefehls Zeit.

Betreibung: Ablauf, Kosten und praktische TippsTipp

  • Es ist möglich, lediglich einen Teil des Zahlungsbefehls anzufechten. Dies muss lediglich im Rechtsvorschlag angegeben werden.
  • Der Rechtsvorschlag kann vom Schuldner jederzeit durch schriftliche Erklärung zurückgezogen werden. Ein zurückgezogener Rechtsvorschlag kann nicht erneut erhoben werden.
  1. RechtsöffnungsverfahrenWenn der Schuldner den Rechtsvorschlag erhebt, muss der Gläubiger diesen vor Gericht anfechten. Sollte der Gläubiger den Prozess gewinnen, gilt der Rechtsvorschlag als beseitigt. Das Betreibungsverfahren darf fortgesetzt werden.
  2. Fortsetzungsbegehren Frühestens nach 20 Tagen und spätestens nach einem Jahr nach Zustellung des Zahlungsbefehles kann der Gläubiger das Fortsetzungsbegehren einleiten und das Betreibungsverfahren fortsetzen (die Dauer eines Gerichts- oder Verwaltungsverfahrens zur Aufhebung des Rechtsvorschlags wird nicht angerechnet).
  3. Verwertungsbegehren / Konkursbegehren Der letzte Schritt für den Gläubiger ist je nach der Art der Betreibung die Einleitung eines Verwertungsbegehrens oder eines Konkursbegehrens. Alles Weitere übernehmen die zuständigen Ämter und der Gläubiger erhält den geschuldeten Betrag vollständig oder in aller Regel nur teilweise zurück.
Betreibungsverfahren Ablauf Scheme blau
  • Betreibungskosten

    Betreibungskosten

«Der Schuldner trägt die Betreibungskosten», sagt das Gesetz (Art. 68 SchKG). Leider stimmt dieses nur dann, wenn der Gläubiger mit der Betreibung Erfolg hat. Bis es so weit kommt, muss der Gläubiger die Prozesskosten vorschiessen und hoffen, dass er diese wieder zurückbekommt.

Betreibung: Ablauf, Kosten und praktische TippsTipp

Da sollten die Betreibungskosten später (hoffentlich) zurückerstattet werden, werden sie nicht als Aufwand, sondern als Forderung gebucht.

Folgende Kosten können anfallen:

  • Kosten für den Zahlungsbefehl
  • Kosten des Rechtsöffnungsverfahrens / Anerkennungsklage im Zivilprozess (Gerichtskosten und Parteientschädigung)
  • Kosten für die Fortsetzung der Betreibung: Kosten der Pfändung, Verwertungskosten, Konkursandrohung, Kosten des Konkurseröffnungsverfahrens

Die Gebühren für das Betreibungsverfahren sind für die ganze Schweiz einheitlich (ausgenommen Gerichtskosten, die kantonsabhängig sind) und in der Gebührenverordnung zum Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (GebV SchKG) geregelt. Die Höhe der Betreibungsgebühren hängt vom Forderungswert ab.

  • Was benötige ich für die Einleitung der Betreibung

    Was benötige ich für die Einleitung der Betreibung?

Wenn Sie sich für die Betreibung entschieden haben, sollten Sie zuerst einige Informationen abklären.

1. Information über den Schuldner oder die Schuldnerin

Wer ist der Schuldner?

Der Schuldner ist nicht immer unbedingt derjenige, mit dem Sie den Vertrag abgeschlossen haben – Ihr Vertragspartner kann auch die Interessen eines Dritten vertreten. Sie benötigen den vollen Namen der Personen oder des Unternehmens. Wenn der Name seit dem Vertragsabschluss geändert wurde, müssen Sie den neuen Namen angeben. Die Information, ob es sich um eine natürliche oder juristische Person handelt, ist wichtig, um den gültigen Wohnsitz des Schuldners zu bestimmen.

Wohnsitz des Schuldners.

Diese Information ist besonders wichtig, weil das zuständige Betreibungsamt sich am Wohnort des Schuldners befindet. Als Wohnort gilt der Hauptwohnsitz in der Schweiz – keine temporäre Adresse oder ein Wochenaufenthalt. Wenn der Schuldner seinen Wohnsitz in der Zwischenzeit gewechselt hat, ist nur sein aktueller Wohnort relevant, auch wenn im Vertrag oder in der Rechnung eine andere Adresse angegeben ist.

Wer ist der Schuldner

Betreibung: Ablauf, Kosten und praktische TippsWichtig!

Sollte der Schuldner seinen Wohnsitz im Ausland haben, können Sie diesen nur im Fall einer ausreichenden Verbindung zur Schweiz betreiben. Zum Beispiel:

  • Der Schuldner hat ein Domizil oder eine Geschäftsniederlassung in der Schweiz
  • Der Schuldner hat ein Faustpfand, ein Grundpfand oder andere Vermögenswerte in der Schweiz

Sobald die Betreibung eingeleitet wurde, wird der Zahlungsbefehl von dem zuständigen Betreibungsamt ins Ausland geschickt. Sonst müssen Sie die im Heimatland des Schuldners gültigen Rechtsmittel einsetzen.

2. Information über die offene Forderung

Die Höhe des geschuldeten Betrags.

Die Forderung muss in Schweizer Franken angegeben werden. Forderungen in fremder Währung müssen umgerechnet werden.

Die Forderungsurkunde.

Das ist ein Dokument, das die Forderung begründet und die Höhe der Schuld nachweisen kann. Das kann ein Vertrag, eine Rechnung oder eine Bestellung des Kunden sein.

  • richtige Amt und die Formulare für die Betreibung

    Wo finde ich das richtige Amt und die Formulare für die Betreibung?

In der Schweiz gibt es ungefähr 400 Betreibungsämter, die sich in einem Verzeichnis befinden. Wenn Sie den Wohnsitz bzw. das Domizil des Schuldners haben, müssen Sie lediglich diese Adresse im Suchfeld eingeben. Das Betreibungsamt-Verzeichnis finden Sie hier.

Alle notwendigen Formulare finden Sie entweder direkt beim zuständigen Betreibungsamt, oder online hier.

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